Die frühen, vor der Erfindung des Tonfilms hergestellten Filme werden zwar als Stummfilme bezeichnet, waren jedoch in der damaligen Aufführungspraxis nicht "stumm", da sie üblicherweise mit begleitender Musik oder Geräuschen aus einer außerfilmischen Quelle vorgeführt wurden. Bereits 1895 stellten die Gebrüder Lumière in Paris erstmals kurze Filme vor, die auf dem Klavier von einem Pianisten live untermalt wurden. Die Gründe, aus denen man begann Filme mit Musik zu unterlegen, sind vielfältig:
Als Begleitmusik wurden zunächst bereits bekannte Musikstücke aus der Klassischen Musik verwendet. Später wurde auch Musik individuell für einen bestimmten Film geschrieben. Die Noten (Partituren) für die Musiker wurden dann der Filmkopie beim Verleih des Films beigelegt.
Zu Beginn begleiteten nur einzelne Pianisten, Geiger oder Flötisten die Stummfilme. Erst die Aufführungen in großen Sälen boten Platz für mehr Musiker. Es gab eigene Kinoorgeln, die neben zahlreichen Klangfarben auch über Geräuscheffekte (Pferdegetrappel, Wind usw.) verfügten. Auch Phonographen wurden eingesetzt.
Vor dem Ersten Weltkrieg wurde es Mode, in großen Kinosälen der Städte die Aufführungen mit eigenen Kinoorchestern von bis zu 80 Musikern zu begleiten. Insbesondere in den Jahren nach dem Krieg setzte sich diese Methode der Musikbegleitung mit eigens komponierter synchroner Orchestermusik, auch Originalmusik genannt, durch (z. B. Der letzte Mann (1924) oder bei Napoleon (1927). Diese Ensembles mussten gut vom Notenblatt spielen und schnell reagieren können, da auf das Zeichen des Dirigenten hin sofort zum nächsten Takt oder sogar zum nächsten Stück gewechselt wurde.
Erst durch die technische Erfindungen von Grammophon und Tonband wurde es erstmals möglich, den Ton beim Drehen des Films aufzunehmen, bzw. wiederzugeben.
1927 präsentierten Warner Bros. mit Der Jazzsänger den ersten langen Tonspielfilm der Welt. Es verlagerte sich die Ausführung der Musik von den Kinosälen in die Studios. Tonfilme hatten den Vorteil, dass die Studios Filmmusik gezielter und einheitlicher für einen bestimmten Film einsetzen konnten.
In der Regel gab es eine Arbeitsteilung zwischen Komponisten und Arrangeuren. Die Partituren wurden häufig nach der Tonaufnahme vernichtet und müssen heute im Falle einer Wiederaufführung aufwändig restauriert werden.
Der charakteristische Hollywoodsound wurde besonders geprägt ausgewanderte Komponisten, wie Erich Wolfgang Korngold, Dimitri Tiomkin oder Max Steiner.
Während der Nachkriegszeit wandelte sich die Filmmusik: Neue Einflüsse aus dem Jazz und der Unterhaltungsmusik kamen hinzu. Repräsentanten dieser neuen Richtung waren unter anderem Henry Mancini --> [Audiotracks] und John Barry
--> [Audiotracks] Ab dieser Zeit stieg auch die Bedeutung für den Wiedererkennungswert mit Filmmelodien wie z. B. der Zither-Musik zu „Der dritte Mann“ (1949) [YouTube-Link] oder dem gepfiffenen Marsch in „Die Brücke am Kwai“ (1957) [YouTube-Link], ohne welche man sich die jeweiligen Filme gar nicht mehr vorstellen kann.
Um 1950 gewannen Rock- und Jazz-Musik mehr an Bedeutung, in der Filmindustrie erkannte man die Popularität dieser neuartigen Musikstile. Komponisten wie Alex North („Endstation Sehnsucht“) [YouTube-Link] oder Elmer Bernstein („Der Mann mit dem goldenen Arm“) [YouTube-Link] integrierten Elemente der Jazzmusik in ihren sinfonischen Partituren und erreichten so eine stilistische Auffrischung.
Mitte der 50er Jahre erkannten die Produzenten in der Filmmusik eine zusätzliche Einnahmequelle und gaben Titelmelodien in Auftrag, die später als Einzeltitel oder Soundtrack vermarktet wurden. Äußerst populäre Stücke wie seinerzeit „Moon River“ [YouTube-Link] (aus "Frühstück bei Tiffany") von Henry Mancini wurden mehr als eine Million Mal verkauft.
Den entscheidenden Anstoß, das große sinfonisch besetzte Orchester nicht mehr als Regelfall, sondern vielmehr in Abhängigkeit von den inhaltlichen und dramaturgischen Anforderungen eines konkreten Films zu verwenden, gab Bernard Herrmanns Partitur zu Hitchcocks „Psycho“ (1960) --> [Audiotracks], in der er sich auf ein Streichorchester beschränkte.
Um 1960 trat an die Stelle orchestraler Filmmusik vielfach die jeweils aktuelle Popmusik. Ein bekanntes Beispiel für den Einsatz von teils bereits vorhandenen, teils speziell für einen konkreten Film geschriebenen Songs war die Musik von Simon & Garfunkel zum Film „Die Reifeprüfung“ [YouTube-Link] (1967). Es werden für die Filmmusik nicht nur eigens dafür entworfene Kompositionen verwendet, sondern auch Songs von aktuellen Interpreten der Rock- und Popmusik
Ab den 1970er Jahren wurde in Hollywood wieder verstärkt mit großen Sinfonieorchestern und Leitmotivtechnik gearbeitet. Katastrophenfilme "Erdbeben" und "Flammendes Inferno" --> [Audiotracks], sowie die Science-Fictionfilme wie Star-Wars (von John Williams) --> [Audiotracks] gelten als Auslöser dafür.
Seit den 80er Jahren gelang es durch den Einsatz des Synthesizers (Keyboards) und des Computers, vermehrt auf die Orchester zu verzichten und so kostengünstiger Musik zu produzieren. So entstand mit dem elektronischen Thema Axel F. [YouTube-Link] aus dem Film Beverly Hills Cop ein instrumentaler Riesenhit.
Ebenso wurden immer mehr Popsongs wie Top Gun: Take My Breath Away [YouTube-Link] , Titanic: My Heart Will Go On [YouTube-Link] zu Werbezwecken für den Film eingesetzt.
Filmmusik ist heute auch fester Bestandteil des Marketings eines Filmes, wobei das Angebot von Tonträgern über die Möglichkeit des Herunterladens aus dem Internet bis hin zu Klingeltönen für Mobiltelefone reicht.